Presse

2025-03-31

Normung ist ein Innovationsbeschleuniger

Interview mit Holger Lösch, BDI

Portrait von Harald Lösch, Stellv. BDI-Hauptgeschäftsführer
© Christian Kruppa

Die diesjährige weltgrößte Industriemesse in Hannover steht unter dem Motto “Energizing a Sustainable Energy”. Mit Holger Lösch, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie e. V. (BDI) haben wir über die aktuellen Herausforderungen gesprochen, über die Chancen von zirkulären Geschäftsmodellen und wie Normen und Standards helfen können, die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft zu sichern. 

Vor welchen Herausforderungen steht die deutsche Industrie aktuell und was ist nötig, um sie international wettbewerbsfähig zu halten? 

Holger Lösch: Die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie steht aufgrund politischer und wirtschaftlicher Verwerfungen unter erheblichem Druck. Der Wettbewerbsdruck steigt, vor allem aus Richtung China und USA, und die Industrie befindet sich mitten in einem Transformationsprozess, hin zu einem grünen, digitalen und zirkulären Wirtschaftssystem. Erschwert wird dies durch den Gesetzgeber mit einer immer weiterwachsenden Über- bzw. Detailregulierung. 

Bei all diesen Herausforderungen ist Normung ein entscheidender Faktor. Sie ermöglicht eine praxisnahe Umsetzung rechtlicher Vorgaben, den Wissenstransfer in neue Zukunftstechnologien und sichert die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie. 

Das Thema hat strategische Relevanz, sollte Teil jeder Industrie- und Wettbewerbsstrategie werden und gehört nach ganz oben auf die Agenda von Entscheidungsträgern in Politik und Wirtschaft.

Wie können Normen die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen stärken? 

Normung ist ein Innovationsbeschleuniger. Durch die frühzeitige Einbindung von Forschung und Industrie können neue Erkenntnisse in die Normung transferiert werden und resultieren in zukunftsfähigen und marktorientierten Lösungen. Dabei lassen Normen, durch ihre freiwillige Anwendung, genug Raum für Unternehmen, eigene noch innovativere Lösungswege zu erarbeiten.

Mit Blick auf die internationale Ebene sichern internationale Normen die Anschlussfähigkeit der deutschen Industrie an globale Märkte. Sie verringern technische Handelsbarrieren, fördern die Interoperabilität und ermöglichen ein Level Playing Field. 

Wer sich also an der internationalen Normung aktiv mitbeteiligt, setzt den Rahmen für künftige Märkte und sichert sich einen strategischen Vorteil für die unternehmerische Wettbewerbsfähigkeit. 

Welche Chancen bietet die Circular Economy für deutsche Unternehmen und welche politischen Rahmenbedingungen braucht es dafür? 

In erster Linie müssen wir Unternehmen in Deutschland und Europa in die Lage versetzen, dass sie Technologien, Produkte und Geschäftsmodelle entwickeln können, die unser Wirtschaftssystem vor Ort attraktiv machen und die international gefragt sind. Zirkuläre Geschäftsmodelle, die neue Arten der Zusammenarbeit und Wertschöpfung erschließen, sind sicher ein Teil davon. 

Es geht also um Standortpolitik. Wenn das Investitionsumfeld nicht stimmt, trifft das alle, auch die zirkulären Pioniere und Vorreiter. Davon abgesehen haben wir viele gute Unternehmen und Forschungseinrichtungen in Deutschland und Europa, die sich weltweit nicht verstecken müssen. Wir brauchen aber auch ein Marktumfeld, in dem Zirkularität ökonomisch erfolgreich sein kann, und zwar in der Breite. Das Ausbalancieren von guter Regulatorik, unternehmensgetriebener Normung und Freiheit für Innovationen ist dabei die zentrale Aufgabe der kommenden Jahre. Wenn wir das in Europa richtig machen, kommen die vielen technischen Lösungen und zirkulären Konzepte auch in den Massenmarkt.

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